Ulrike Samsel finisht Iron Man auf Hawaii
DJK-Athletin Ulrike Samsel war am 11.10. beim Iron Man auf Hawaii am Start, der Traum eines jeden Triathleten. In ihrem Bericht erzählt sie von diesem tollen Ereignis.
IM WC Hawaii - Dreams come true
Wo anfangen? Hawaii – Geburtsstunde des Ironman und Traum aller Triathleten. Oder zumindest meiner. Die Chancen standen bei meinem Talent eher schlecht, hinzu kam noch eine Radiusköpfchenfraktur im April, die erst einmal jeder sportlichen Aktivität ein Ende setzte. Fast - vier Tage später saß ich mit Gipsarm wieder auf der Rolle, vierzehn Tage später lief ich wieder mit Orthese und sechs Wochen später war auch wieder Schwimmen erlaubt. 8,5 Wochen nach dem Bruch holte ich mir dann beim IM Les Sables d'Olonne die Quali und so stand ich am 11.10.25 mit rund 1600 anderen Athletinnen am Start.
Die Nacht hindurch hatte es heftig geregnet. Die Luftfeuchtigkeit war hoch, das Wasser sehr wellig. Als schlechteste Schwimmerin dieses Planeten ist die Kombination aus Neoprenverbot und Wellengang für mich echt eine Katastrophe. Die Herausforderung für Teil 1 bestand also darin, lebend wieder an Land zu kommen und das bitte vor dem Cut Off.
Erstmal ging es emotional los mit der amerikanischen Nationalhymne. In Blöcken nach Altersklassen wurden wir zum Start geführt. Der Einstieg gestaltete sich schon mal schwierig. Der in den vergangenen Tagen so ruhige Pazifik spülte mich gleich mal wieder zurück. Und wir mussten zur Startlinie schwimmen. Das kann ja heiter werden. Der Kampf begann für mich pünktlich um 6:50 Uhr Ortszeit. Da war mein Puls schon über 200 und ich fertig mit den Nerven.
Eine Weile konnte ich noch mit der Gruppe mithalten und hatte so halbwegs die Orientierung, aber das war schnell vorbei. Ich musste alleine weiter. Jede Welle warf mich woanders hin als ich sein wollte und sollte. Jeder Atemzug brachte einen neuen Schluck Salzwasser. Zweimal mussten mich die tapferen Helfer wieder zurück zur Strecke lotsen, da war ich auf dem Weg nach Tahiti oder zur Osterinsel oder so. Schnell kam die nächste Startgruppe, ich versuchte mich dranzuhängen ohne im Weg zu sein, mit wenig Erfolg. Wie lange können 3,8km sein. Endlich war der Wendepunkt erreicht, es ging kurz raus aufs Meer und dann wieder zurück. Nun war die Strömung auf unserer Seite, aber die Wellen machten jede Hoffnung auf ein zügigeres Schwimmen weiterhin zunichte. Immerhin schwamm ich auf die AK 70 bis 80 auf... Dafür überholten mich weiterhin die Jüngeren. Der Hals brannte, der gebrochene Ellbogen moserte. Aufgeben? Nee, weiter. Und endlich kam der Ausstieg, der sich über die nassen Stufen nicht so einfach gestaltete, der Schwindel tat ein übriges. Aber die Helfer fischten mich raus und es konnte weitergehen.
Die Beutel wurden uns angereicht und ab ins Wechselzelt und erstmal einen Stuhl gesucht und gefunden. Hinsetzen und warten, bis der Schwindel nachlässt. Kurzer Blick auf die Uhr, immerhin noch knapp unter 2h, aber nur knapp. Dafür habe ich fast 4,1km. Oh weh.
Wechsel: Eincremen, Calves, Armlinge, Socken und Schuhe an. Brille und Helm auf. Medis verstauen, Beutel abgeben und zum Rad. Da stehen in "meiner" Reihe noch genau zwei Räder... Die Helferin versichert mir, es hätten alle über das Schwimmen gejammert. Na, dann bin ich ja in bester Gesellschaft!
Vor der Radstrecke hatte ich Schiss. Die Probetour mit dem Leihrad (der Flug hatte das Schaltwerk an meinem Rad abgebrochen) zurück von Hawi nach Kona hatte heftige Winde, mörderische Hitze und einige Hügelchen offenbart. Aber es kann nur besser werden. Und es wurde besser. Bis Hawi hoch fuhr ich defensiv und genoss die Landschaft. Lavawüste rechts und Meer links haben ihren Reiz. Meine reparierte Schaltung funktionierte bestens und auch die Reifen hielten (im Gegensatz zum Material anderer Athletinnen, danke an Christian von HHT, bikeworks Kona und den besten Ehemann und Mechaniker der Welt). Richtung Hawi wurde der Gegenwind echt heftig, zudem ging es (sanft) bergauf. Egal, es rollt. Kühlen und Trinken waren die Hauptaufgaben des Tages, das hielt ich auch strikt ein. Die Volunteers an den Verpflegungsstellen machten einen super Job.
Zurück flog ich zunächst. Von Hawi runter hatte ich um die 50km/h, das änderte sich dann aber schnell wieder. Gegenwind ohne Ende. Aber wir waren vorgewarnt, der Wind dreht mittags und so kommen die Agegrouper in der Regel in den Genuss Hin- und Rückweg mit Gegenwind zu fahren. Aber nun kannte ich ja die Strecke und überholte langsam aber sicher. Mein Rädchen hielt und ich konnte fahren, so macht Triathlon Spaß. Und ich darf hier sein und mitmachen, wie geil ist das denn. Die letzten 25km wurden noch mal etwas hart. Der permanente Kampf gegen Wind und Hitze ermüdete, ich zwang mich weiter zu trinken, obwohl der Körper nicht mehr mochte. Und leider nahm die Anzahl der Athletinnen zu, die entweder mit Pannen oder einfach völlig erschöpft am Straßenrand saßen. Das tut in der Seele weh mitansehen zu müssen. .
Ab zur Wechselzone, Rad einhängen, Helm gegen Visor tauschen und (zum Glück) Stirnlampe mitnehmen, Laufschuhe an und Verpflegung in den Einteiler stopfen und auf geht's.
Wow, Party in Kona. Leider auch Gluthitze und kein Schatten. Ok, ich war gewarnt. Der Puls explodierte. Also laufen, bis es nicht mehr geht, und gehen, bis es wieder läuft. Die Strategie behielt ich auch bei. Gedanken über die Zielzeit machte ich mir keine mehr. 17h war der finale Cut, sub 15 hatte ich mich mal gewünscht, aber das war mir dann so was von egal. Das Ziel war mit dem Start und dem (hoffentlich) Finish erreicht.
Es wurde aber ein hartes Stück Arbeit (wie Laura Philipp nach dem Rennen so treffend resümierte). Die ersten Kilometer ging es über den Ali'i Drive vorbei an unserem Hotel zum Wendepunkt und dann wieder zurück, die Palani Road hoch (ich bin den Anstieg gegangen) und dann auf den Highway. Nun ging die Sonne unter und ein (warmes) Lüftchen wehte. Die Kilometer zum Flughafen zogen sich dann allerdings wie Kaugummi. Und die Dunkelheit ließ mich für die Stirnlampe danken, denn spätestens im Energy Lab (was so heißt, weil die Hitze dort steht und den letzten Stecker zieht, und nicht, weil es Energie gibt) war es zappenduster und der Asphalt katastrophal. Ich sah zwei böse Stürze. Gehen, laufen, gehen, laufen. Trinken, auch wenn der Magen rebelliert. Seitenstiche kündigten sich an. Egal, du musst das hier nur ins Ziel bringen. Wendepunkt 2 und 3 und dann ging es wieder hoch auf den Highway. Ganze Gruppen wanderten, einige Damen ließen sich aber auch (verbotenerweise) per Rad oder laufend begleiten. Geht natürlich auch... Die Ambulanzen fuhren nun ständig. Ich testete mal Brühe und ließ es schnell wieder bleiben. Cola, Orangen, Wasser, meine Pampe. Und ganz viel Eis vorne und hinten in den Einteiler. Es war immer noch sehr warm. Aber auch mystisch: Man hörte das Meer, sah die Lichter von Kona, immer noch Läuferinnen, die mir entgegenkamen und noch auf dem Hinweg waren! Einige trugen Leuchtketten, andere Lampen. Und man munterte sich gegenseitig in allen Sprachen der Welt auf. Wunderbar.
Und dann war es geschafft. Noch einmal die Unterstützung von HHT, dann die letzten 2km Palani Road bergab und zum Ziel. Zuschauer und Athletinnen, die schon fertig waren, klatschten: "You got it!" Und nun begannen doch die Tränen zu fließen. GESCHAFFT! Ich werde ins Ziel laufen! Das letzte Stück auf dem Ali'i Drive war der Teufel los. Volunteers kreischten sich die Seele aus dem Leib, als wäre man die Gewinnerin, die Zuschauer hingen zwischen den Fahnen der teilnehmenden Nationen über den Banden und klatschten ab. Was für ein Finish! Und dann war da der Zielbogen: Arme hochreißen, über die kleine Rampe stolpern (wer stellt die da hin?) und lachen und heulen gleichzeitig. Kona, ich bin im Ziel!
Finisher Foto - und die Saarlandflagge musste mit - und dann Beutel holen und langsam zum Ausgang. Mann holte derweilen das Rad und dann standen wir noch eine Weile am Ziel und feuerten die eintreffenden Athletinnen an.
Es ging noch 2,5 Stunden und ich war nicht letzte, nicht mal beim Schwimmen... Auf dem Rad hatte ich glatt 43 Plätze gut gemacht. Und sub 15h insgesamt, wenn auch knapp.
Und das ist sowas von egal, denn ein Traum erfüllte sich. Anything is possible - auch mit null Talent und zahlreichen Baustellen.
Mahalo, Kona!
